Schmerz lass nach! Die besten Schmerzmittel gegen akute Zahnschmerzen

Ich bin Hanno, Zahnarzt und Humanbiologe.

Mein Fokus: Ich verbinde Zahnmedizin mit körperlicher Gesundheit.

Meine Mission: Deine lebenslange Zahngesundheit. Denn Gesundheit beginnt zwischen den Zähnen.

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Inhaltsverzeichnis

📅 Erstellt: 26.03.2026
🔄 Aktualisiert: 12.06.2026

Reading time: 7 minutes and 53 seconds

Zahnschmerzen können plötzlich und unerwartet kommen und deinen Alltag erheblich beeinträchtigen. Leider ist bei Zahnschmerzen nicht immer gleich ein Zahnarzt zur Hand. Dann ist der Griff zum Schmerzmittel die erste Maßnahme, um die Schmerzen bis zum Zahnarztbesuch in Schach zu halten.
Aber welche Schmerzmittel gibt es? Welche sind bei Zahnschmerzen sinnvoll? Und welches Schmerzmittel sollte ich in bestimmten Fällen nicht einnehmen?
In diesem Artikel stelle ich dir die besten und wirksamsten frei verkäuflichen Schmerzmittel vor und erkläre dir, wie sie wirken und wie du sie am besten einsetzt.

Einteilung der Schmerzmittel

Bei Schmerzmitteln unterscheiden wir die verschreibungspflichtigen Opioid-Analgetika, die in der Regel bei sehr starken Schmerzen verordnet werden, und die (größtenteils) nicht-verschreibungspflichtigen Nicht-Opioid-Analgetika.
Dieser Artikel beleuchtet die Nicht-Opioid-Analgetika, weil du diese größtenteils frei verkäuflich in der Apotheke bekommst.

Die Nicht- Opioid-Analgetika unterteilt man weiter in NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika), zu denen beispielsweise Ibuprofen, Aspirin, Diclofenac oder Naproxen zählen, und nicht saure Analgetika wie Paracetamol oder Metamizol. Das musst du dir nicht merken. Du solltest nur wissen, dass diese Schmerzmittel unterschiedliche Eigenschaften haben und nicht alle gleichermaßen für jeden geeignet sind.

Schmerzmittel, die bei Zahnschmerzen funktionieren

Ibuprofen

Wirkung und Anwendung

Ibuprofen ist eines der am häufigsten verwendeten Schmerzmittel und das Mittel der Wahl, wenn es um die Linderung von Zahnschmerzen geht. Es gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend. Die übliche Dosierung für Erwachsene liegt bei 200 bis 400 mg alle 6 bis 8 Stunden, allerdings nicht mehr als 2400 mg pro Tag ohne ärztliche Anweisung.
Pro Einnahme sollten nicht mehr als 800 mg Ibuprofen eingenommen werden.

Bitte beachte auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die du derzeit eventuell einnimmst.
NSAR sollten nicht von Asthmatikern eingenommen werden, da sie bei 10 % der Asthma-Patienten einen NSAR-induzierten Asthmaanfall auslösen können.
Da NSAR auch Magenprobleme verursachen können, sollten diese Schmerzmittel nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.
Solltest du ASS100 zur Primärprävention nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall einnehmen, dann nimm ASS100 unbedingt 1–2 Stunden vor Ibuprofen ein. Ansonsten kann die blutverdünnende Wirkung von ASS100 nachlassen. Das hat etwas damit zu tun, dass beide Wirkstoffe um die Bindungsstelle des Zielmoleküls konkurrieren.
Schwangere sollten Ibuprofen nicht im letzten Trimenon der Schwangerschaft einnehmen. Auch bei Überempfindlichkeiten gegen den Wirkstoff, ungeklärten Blutbildungsstörungen, schwerer Herzinsuffizienz und schweren Leber- und Nierenfunktionsstörungen sollte Ibuprofen nicht ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden.

Für Kinder bis 12 Jahre gibt es Schmerzsäfte. Die Dosierungen hängen hier vom Alter bzw. Körpergewicht ab und finden sich in der Packungsbeilage. Auch hier sollte vor Einnahme unbedingt die Packungsbeilage beachtet und im Zweifel der (Kinder-)Arzt konsultiert werden.

Ibuprofen ist in niedriger Dosierung (bis 400 mg) rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Tipp: Eine höhere Dosierung als 400 mg erhöht meistens nicht die schmerzlindernde Wirkung. Man nennt das „Ceiling-Effekt“. Es gibt hier allerdings eine effektive Möglichkeit, die schmerzlindernde Wirkung zu erhöhen: Mit Koffein. Präparate wie Thomapyrin (unbezahlte Werbung) enthalten neben 400 mg Ibuprofen 100 mg Koffein.
Beachte allerdings, dass bei einem hohen täglichen Koffeinkonsum dieser Effekt weniger stark ausgeprägt ist.

Warum es funktioniert

Ibuprofen reduziert die Produktion von Prostaglandinen, indem es die sogenannte Cyclooxygenase (COX) hemmt. Prostaglandine sind Gewebshormone, die Entzündungen und Schmerzen verursachen. Dadurch wird sowohl die Schmerzempfindung als auch die Entzündung im betroffenen Bereich verringert.

Aspirin (Acetylsalicylsäure)

Wirkung und Anwendung

Aspirin ist ein bekanntes Schmerzmittel, das ebenfalls zur Gruppe der NSAR gehört. Es wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Die übliche Dosierung für Erwachsene liegt bei 500 bis 1000 mg (1 bis 2 Tabletten) alle 4 bis 6 Stunden, jedoch nicht mehr als 3000 mg pro Tag.
Beachte, dass Aspirin schon in geringer Konzentration zu einer irreversiblen (nicht rückgängig zu machenden) Blutverdünnung führt, die noch ca. eine Woche nachwirkt. Solltest du dir also nicht sicher sein, ob der schmerzende Zahn eventuell entfernt werden muss, ist Aspirin in diesem Fall nicht das Schmerzmittel der Wahl.
Du solltest Aspirin darüber hinaus nicht einnehmen, wenn du überempfindlich auf den Wirkstoff reagierst, an Blutungen im Magen-Darm-Bereich und an einer schweren Herzinsuffizienz leidest.
Bei Schwangerschaft solltest du auch Aspirin nicht im letzten Drittel der Schwangerschaft einnehmen.

Warum es wirkt

Aspirin hemmt (ähnlich wie Ibuprofen) die Produktion von Prostaglandinen. Es kann jedoch Nebenwirkungen wie Magenreizungen verursachen und sollte nicht bei Kindern oder Jugendlichen mit fiebrigen Erkrankungen eingesetzt werden. Aspirin kann hier das Reye-Syndrom auslösen, eine lebensbedrohliche Erkrankung, die unter anderem zum Funktionsverlust der Leber und zu Hirnschäden führen kann.

Aspirin ist in niedriger Dosierung (bis 500 mg) rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Naproxen

Wirkung und Anwendung

Naproxen ist ein weiteres NSAR zur Linderung von Zahnschmerzen. Es hat eine längere Wirkungsdauer als Ibuprofen und liegt bei 8 bis 12 Stunden. Die übliche Dosierung für Erwachsene beträgt 220 mg alle 8 bis 12 Stunden, jedoch nicht mehr als 660 mg pro Tag ohne ärztliche Anweisung.
Gerade bei Entzündungen im Kiefergelenk ist Naproxen das Schmerzmittel der Wahl. Bedenke allerdings, dass die Ursache von Schmerzen im Bereich des Kiefergelenks nicht unbedingt das Kiefergelenk selbst, sondern auch das Ohr oder die Kiefermuskulatur sein kann.

Gegen eine Einnahme sprechen dieselben Gründe wie bei Ibuprofen. Insbesondere Schwangere sollten Naproxen nicht im letzten Drittel der Schwangerschaft einnehmen.

Warum es funktioniert

Naproxen wirkt entzündungshemmend, fiebersenkend und schmerzlindernd, indem es ähnlich wie die anderen NSAR die Prostaglandinproduktion hemmt. Es bietet oft eine längere Schmerzlinderung als Ibuprofen.

Naproxen ist in niedriger Dosierung (bis 220 mg) rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Paracetamol

Wirkung und Anwendung

Paracetamol ist ein weiteres weit verbreitetes Schmerzmittel, das allerdings nur schmerzlindernd und fiebersenkend wirkt. Entzündungshemmend wirkt es dagegen NICHT.
Paracetamol gehört zu den nicht sauren Analgetika. Die übliche Dosierung für Erwachsene liegt bei 500 bis 1000 mg alle 4 bis 6 Stunden, jedoch nicht mehr als 4000 mg pro Tag.
Paracetamol ist das Schmerzmittel der Wahl während der Schwangerschaft, insbesondere im 3. Trimenon. Aber auch bei Asthmatikern sollte auf Paracetamol zurückgegriffen werden, um NSAR-induzierte Asthmaanfälle zu vermeiden.
Beachte, dass Paracetamol in höheren Dosierungen lebertoxisch wirkt und deshalb nicht angewendet werden sollte, wenn du Probleme mit der Leber hast oder Alkoholiker bist. Auch bei schwerer Niereninsuffizienz sollte Paracetamol nicht eingenommen werden.

Paracetamol ist in niedriger Dosierung (bis 500 mg) rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Warum es funktioniert

Paracetamol wirkt hauptsächlich im zentralen Nervensystem, indem es die Schmerzsignale blockiert. Der genaue Wirkmechanismus ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Paracetamol ist in niedrigen Dosierungen (bis 500 mg) rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Lokale Betäubungsmittel

Wirkung und Anwendung

Bei starken Zahnfleischentzündungen oder Mundschleimhautdefekten wie Aphthen sind lokale Betäubungsmittel durchaus sinnvoll. Sie sind oft in Gel-Form oder als Mundspülung erhältlich und werden direkt auf das Zahnfleisch aufgetragen, um sofortige Linderung herbeizuführen. Bitte beachte, dass diese lokalen Betäubungsmittel erst ab einem bestimmten Alter zugelassen sind. Die Apotheke kann dich hierzu beraten.

Warum es funktioniert

Lokale Betäubungsmittel blockieren die Schmerzsignale in den Nervenenden des betroffenen Bereichs. Die Wirkung ist lokal begrenzt und hat damit weniger Nebenwirkungen.


Kombinationspräparate

Wirkung und Anwendung

Neben Monopräparaten wie Ibuprofen oder Paracetamol gibt es Kombinationspräparate, die mehrere Wirkstoffe in sich vereinen, um eine umfassendere Schmerzlinderung zu gewährleisten. Beispiele dafür sind Präparate, die sowohl Paracetamol als auch Ibuprofen enthalten. Sie sollten jedoch nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden, um Überdosierungen zu vermeiden.

Warum es funktioniert

Kombinationspräparate nutzen die unterschiedlichen Wirkmechanismen der enthaltenen Medikamente, um eine stärkere und umfassendere Schmerzlinderung zu erreichen. Nachteil sind die höheren Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Erkrankungen.

Wann solltest du zum Zahnarzt gehen?

Frei verkäufliche Schmerzmittel können vorübergehende Linderung bei Zahnschmerzen bieten, sind aber keine dauerhafte Lösung. Du solltest immer die zugrunde liegende Ursache der Zahnschmerzen von einem Zahnarzt abklären und behandeln lassen. Eine Eigendiagnose ist oft schwierig.
Besonders wenn du trotz Schmerzmittels anhaltende Schmerzen, Schwellungen oder gar Fieber hast, solltest du schnellstmöglich einen Zahnarzt aufsuchen.

Fazit

Zahnschmerzen können sehr unangenehm sein. Die oben genannten, meist frei verkäuflichen Schmerzmittel können dir vorübergehend Schmerzlinderung verschaffen, bis du professionelle Hilfe erhältst.
Erkundige dich vor der Einnahme unbedingt, ob du das jeweilige Schmerzmittel einnehmen darfst. Jedes Schmerzmittel hat seine charakteristischen Neben- und Wechselwirkungen. Denke daran, dass eine gründliche Mundhygiene, ein gesunder Lebensstil und regelmäßige Zahnarztbesuche die effektivsten Maßnahmen sind, um Zahnschmerzen vorzubeugen. Wenn die Schmerzen trotz Schmerzmittel jedoch anhalten oder sich gar verschlimmern, suche bitte umgehend einen Zahnarzt auf.
Weitere Informationen zur Schmerzlinderung findest du im Artikel “Erste Hilfe bei Zahnschmerzen: 8 Sofortmaßnahmen für Zuhause